Meine Person

Wer ist Kerstin Moraweck?

Ich bin ein „Menschen-Mensch“. Das einzige, was mich wirklich interessiert, sind Menschen und ihre Beziehungen untereinander. Privat und beruflich. Das weiß ich seit einigen Jahren, nach einem Lebensweg von sicherlich 4, wenn nicht 5 Jahrzehnten, aber ich wusste es gewiss nicht zu Beginn meines Berufslebens.

Mein Weg begann im Osten Deutschlands, in der DDR, kurz vor dem Mauerbau. Ich war ein sehr schüchternes, ängstliches und noch gar nicht kommunikatives Kind. Leider (tatsächlich habe ich mich lange Zeit eher behindert denn begünstigt gefühlt), inzwischen aber: „ja, o.k.“ gehöre ich zu den sogenannten High Potentials, oder, wie Anne Heintze in ihrem Buch „Außergewöhnlich normal“ sie benennt, zu den „bunten Zebras“, die hochintelligent, hochsensibel und hochsensitiv sind. Freilich trennten mich von der Erkenntnis dieser besonderen Veranlagung damals noch 45 – 50 Jahre…Und diese Erkenntnis geht noch nicht einmal auf mich selbst, sondern auf meine Tochter zurück. Mir war nur bewusst, dass ich Dinge anders wahrnahm, als sie benannt wurden. Außerdem wunderte ich mich lange Zeit darüber, dass Menschen oft so langsam denken. Aber nein, umgekehrt ist es richtig, nicht die anderen sind langsam, sondern ich bin zu schnell. Zu „das“, zu „dieses“, zu „jenes“ – ich genügte jedenfalls nicht. Etwas, das mich sehr geprägt und immer wieder zum Nachdenken und Infragestellen von vermeintlich sicheren Erkenntnissen hat und immer noch tut.

Aber zurück zu den 60er Jahren in der damaligen DDR. Meine ersten 10 Lebensjahre verliefen unspektakulär. Lediglich mein „Nomaden-Gen“ wurde schon in dieser Zeit aktiviert. Meine Eltern bereisten mit uns Kindern alle Länder, die wir als DDR-Bürger bereisen durften. Das schärfte meine Sinne und mein Hirn. Begünstigt von der hohen Sensitivität nahm ich viele Informationen auf, die ich allein weder bewerten noch einordnen konnte. Und es wusste ja niemand, dass ich Anleitung gebraucht hätte, davon abgesehen, war dieses Phänomen damals noch gar nicht bekannt. Jedenfalls erlebte ich 2 Welten: meine Wahrnehmung der Welt und die Kommunikation der Menschen darüber, die sich sehr voneinander unterschieden. Das trainierte mich auf die Wahrnehmung von Widersprüchen.

In der Schule zeichnete sich ab, dass ich eine gute Schülerin war. Besonders Mathematik und Sprachen lagen mir. Jahrzehnte später stellte sich heraus, dass ich in 14. Generation vom „Rechenmeister“ Adam Ries abstamme. Mein alles hinterfragendes Hirn begann dann im 2. Lebensjahrzehnt allerhand Dinge in Frage zu stellen, die in dieser Zeit und in diesem Land entweder tabu waren oder auf die es keine „politisch korrekten“ Antworten gab. Die ersten Kollisionen mit dem Elternhaus, das sehr prosozialistisch war, entstanden und ich begann, mich innerlich vom System „Sozialismus“ zu distanzieren. Eine schwierige Situation für meine Ursprungs-Familie entwickelte sich.

Trotzdem, das Hirn war aktiv und es war klar, dass ich studieren wollte. Also galt es, einen Weg für den Umgang mit diesem wachsenden Widerspruch zu finden. Die Möglichkeit, die ich fand, war die, mein mathematisches Talent zu nutzen. Ich bewarb mich für einen Studienplatz im Maschinenbau in der Fachrichtung „Angewandte Mechanik“, einer ausgesprochen abstrakten, mathematisch orientierten Fachrichtung. Zum Bildungssystem der DDR gehörte ab der 6. Klasse eine intensive ideologische Beeinflussung in mehreren Unterrichtsfächern, die sich im Studium fortsetzte und der ich nicht zu entrinnen vermochte. Ein steter Tropfen, der den Stein höhlte. Als klar war, dass ich ohne SED-Mitgliedschaft nicht würde promovieren dürfen und meine Gesamtstudienabschlussnote die der schlechteren Marxismus-Leninismus-Note war, statt die der beiden besseren Fachhauptnoten, war mir klar, dass ich meinen ersten „Change“ ins Auge fassen und diesem Staat entkommen musste. Ich hatte das Gefühl, zu ersticken.

Während des letzten Studienjahres war mein erstes Kind zur Welt gekommen und so gab es natürlich einiges, was mich vorerst davon abhielt, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Von meiner ersten Arbeitsstelle im Chemieanlagenbau wechselte ich zur Akademie der Wissenschaften in Chemnitz, wo ich auch meine Diplomarbeit geschrieben hatte, mein zweites Kind kam zur Welt und die Widersprüche nahmen zu. Ich konnte nicht promovieren, die Reisemöglichkeiten wurden immer weiter eingeschränkt, die Luft war schlecht und meine Kinder husteten. Als im Sommer 1989 die Situation der DDR-Urlauber in Ungarn eine Eigendynamik entwickelte und Ungarn am 11.9.1989 seine Grenze zu Österreich öffnete, der „Eiserne Vorhang“ also fiel, hielt es mich nicht mehr. Ich setzte mich endlich durch und mein damaliger Mann und ich verließen mit unseren Kindern die DDR am 2.11.1989, also nur 1 Woche vor dem Mauerfall, mit einem Visum für einen einwöchigen Ungarn-Urlaub, nur um direkt hinter der ungarischen Grenze in Richtung Österreich abzubiegen. Wer diese Situation miterlebt hat, weiß, es war nicht absehbar, dass die Mauer fallen würde. Genauso hätte ein Bürgerkrieg ausbrechen oder ein Dach über dem Land errichtet werden können.

Der erste große Umbruch war erfolgt.

Aufgrund familiärer Bindungen gingen wir ins Allgäu. Für meinen Mann war es gar kein Problem, Arbeit zu finden. Für mich dagegen schon. Ich war eine Frau und hatte 2 Kinder. Zur damaligen Zeit konnte sich im Allgäu wohl kaum jemand vorstellen, dass man als Frau als Ingenieurin arbeiten konnte, geschweige denn mit 2 kleinen Kindern. Mit den Kindern nochmals die Region zu wechseln war keine Option, sie waren schon einmal entwurzelt worden. Es brauchte also eine neue Vision. Was hatte ich sonst noch zu bieten? Was konnte ich? Ich konnte gut mit Menschen reden und Zugang zu ihnen finden und ich konnte gut organisieren. Also war wohl Verkauf eine Option. Dort gab es auch zu wenig Bewerber, als dass es ein Problem hätte sein dürfen, dass ich Mutter zweier Kinder war. Hoffte ich jedenfalls. Und so war es auch. Nach ein paar kleinen Umwegen bot sich eine schöne Chance: in der Nähe eröffnete ein Media Markt und ich wurde Abteilungsleiterin für den Bereich Neue Medien.

Nach 2½ Jahren wagte ich den nächsten großen Umbruch, ich ging in den Vertriebs-Außendienst und machte mich selbstständig. Ein ganz neues Feld zum Ausleben meiner persönlichen und beruflichen Wünsche stand zur Verfügung. Ich konnte das, was ich gut konnte und das, was ich lernen wollte, sowie das Reisen, die Kindererziehung und das Geld-Verdienen unter einen Hut bringen.

Mich interessierte schon seit der Zeit der ersten innerfamiliären Streitgespräche das Thema Kommunikation. Warum musste ein Streitgespräch laut sein? Warum wurde man innerlich so verletzt, dass die Tränen in Strömen flossen? Gab es Abhilfe? Wie könnte diese aussehen? Das waren Fragen, die mich seit meinem Teenageralter begleiteten und beschäftigten, ohne dass ich sie explizit so hätte formulieren können. Als ich mit Anfang 30 immer wiederkehrende Muster, in privaten wie in beruflichen Beziehungen entdeckte, als mir auch bewusst wurde, dass ich selbst auch Menschen verletzte, begann ich, mir Literatur zu besorgen. Einer meiner ersten „Lehrmeister“ war Friedemann Schulz von Thun.

In den nächsten 15 Jahren spielten Kommunikation, Verhandlungen mit Geschäftspartnern, Führung von Mitarbeitern, alles innerhalb des Vertriebes, eine große Rolle. Nach und nach wurde mir jedoch im Vertrieb langweilig. Es zog mich immer mehr in Richtung Begleitung von Menschen und Organisationen in ihrer Entwicklung und Vertiefung meines Wissens über Kommunikation und Führung.

Und wieder bot sich eine Chance zur Veränderung. Die Vertriebsstruktur in der Firma, für die ich tätig war, musste an die strukturellen Veränderungen im Handel angepasst werden. Ich war überflüssig. Meine Vision, nochmals zu studieren und mich mit Kommunikation zu befassen, war umsetzbar. So begann ich im September 2016 an der FH Wien der WKW, organisiert über das ALP in Lübeck ein Masterstudium der Kommunikations- und Betriebspsychologie. Endlich konnte ich das machen, worauf ich mich so lange hinbewegt hatte. Nach 2 Jahren habe ich es im Sommer 2018 erfolgreich abgeschlossen und darf nun den überaus sperrigen Titel „MSc der Kommunikations- und Betriebspsychologie“ tragen.

Parallel entwickelte sich das „Nomaden-Gen“ prächtig. Österreich, Frankreich, Italien, Bulgarien und Kroatien waren die Hauptreiseländer, solange ich noch mit meinen Kindern reiste. Später wurde es abenteuerlicher, mit einem geländetauglichen Gefährt ging es in die Pyrenäen auf Offroad-Tour, nach Albanien, Südeuropa, Marokko und Rumänien. Nachzulesen hier. Diese Reisen abseits großer Touristenströme in Gegenden, in denen sich Menschen mit Armut und den daraus folgenden Problemen, statt mit den Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen haben, veränderten meine Sicht auf die Welt, die Menschheit und mein Leben. So waren Perspektivwechsel, die bei der Reflexion von Lebenssituationen eine wichtige Rolle spielen, von Kindesbeinen an Teil meines Lebens.

Wegen dieser nicht so häufigen Kombination aus Wissen in Psychologie (insbesondere in Kommunikationspsychologie, Organisationspsychologie, Sozialpsychologie, ), Ingenieurwesen, Vertriebs-, Führungs- und Lebenserfahrung, Management von großen Veränderungen sowie Weiblichkeit in Verbindung mit den Anlagen des oben erwähnten „Bunten Zebras“ fallen mir Dinge auf und kann ich Verknüpfungen herstellen, die „außergewöhnlich normal“ sind.

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